Dobsonmontierung und Astrofotografie

Immer wieder ist zu lesen, dass Astrofotografie mit einem Dobson nicht machbar ist. Begründet wird dies darin, dass man mit einem Dobson nicht genau genug nachführen kann. Fakt ist, dass man aber sehr wohl Sonne, Mond und Planeten mittels Webcam und dem Bildbearbeitungsprogramm "Giotto" wunderbar ablichten kann. Wenn man sich einen Dobson zulegt dann bekommt man viel Öffnung und wenig Montierung von daher sollte man sich im klaren darüber sein, dass es etwas Übung und Ausdauer erfordert um mit einem Dobson erfolgreich Astrofotografie betreiben zu können. Nachstehend beschreibe ich meine Methode wie ich mit dem Dobson und der Webcam umgehe.

 

1.) Wie bekomme ich den Planeten auf den Monitor?

Ich richte den Dobson, bestückt mit einem 25mm Plössl Okular auf den Planeten aus. Der Planet sollte sich genau mittig im Okular befinden. Ist dies der Fall, tausche ich rasch das Okular gegen die Webcam aus. Nun sollte der Planet auf dem Monitor sichtbar sein. Ist dies nicht der Fall so muss man mit sehr viel Gefühl etwas am Tubus hin und her wackeln. Wenn man Glück hat bekommt man den Planeten nochmal rein, ansonsten muss man die Prozedur noch mal wiederholen. Also Webcam raus und Okular rein und dann wieder mittig den Planeten fixieren. Das hört sich etwas kompliziert an aber mit etwas Übung bekommt man schnell ein Gefühl dafür. Ich packe den 8 Zöller immer oben an der Öffnung und versuche den Arm irgendwo abzustützen. Arbeitet man mit einer hohen Vergrößerung so kann es sein, dass man den Planeten nicht auf dem Monitor erkennt weil er stark defokussiert ist. Hierbei hilft es dann die Einstellungen der Webcam auf Vollautomatik umzustellen oder den Gain ganz hochzudrehen. Irgendwann erkennt man dann einen Lichtschein. Nun stelle ich den Planeten langsam scharf, hierzu gleich mehr.. Bei dieser ganzen Prozedur ist es ratsam die Framerate auf 15/fps zu stellen, da man den Planeten so erst mal leichter im Kasten behält.

2.) Wie stelle ich den Planeten scharf?

Hierzu muss man ebenfalls Geduld aufbringen. Man muss zum einen den Planeten von Hand nachschubsen und zum anderen den Fokussierring am Teleskop bedienen. Dann muss man auch noch ein Auge auf den Monitor haben und aufpassen, dass das Objekt nicht entwischt. Man stellt langsam und Schritt für Schritt scharf, bis es passt. Hierbei muss man wirklich feinfühlig zur Sache gehen. Dreht man zu heftig am Fokussierring so kann es passieren, dass man das Teleskopso verrückt, so dass man den Planeten nicht mehr wiederfindet. Dies hätte zur folge, dass man wieder von vorne anfangen muss. *g* Ist der Planet scharf dann kann man mit den Einstellungen der Software anfangen. Wohlgemerkt auch das geschieht indem man den Dobson mit einer Hand nachführt und mit der anderen die Maus bedient. Ich finde es wichtig eine Maus am Laptop zu haben denn ansonsten wird es noch kniffliger! :-) Bei diesen wichtigen Vorarbeiten können schonmal 15 Minuten oder mehr ins Land streichen. Nun kann man sich auch vorstellen weshalb es wichtig ist seinen Arm mit dem man den Dobson führt abzustützen! ;-) Ich sitze dabei immer auf einem Gartenstuhl und der Arm lehnt auf einem Gartentisch, worauf sich auch der Laptop befindet. Hierbei kann es trotz aller Vorsicht durchaus vorkommen, dass man den Planeten einmal verliert aber das ist nicht weiter schlimm, schnell die Webcam gegen das Okular austauschen und wieder mittig stellen. Die Einstellungen der Webcam bleiben ja erhalten.

 

3.) Die Aufnahme

Hat man diese Hürden genommen dann kann es losgehen und man kann auf Aufnahme klicken.*KLICK* Nun gibt es zwei Möglichkeiten den Planeten nachzuführen. Die erste ist die, dass man versucht den Planeten in der Mitte des Bildschirms zu halten. Davon würde ich aber eher abraten. Obwohl ich auch das schon geschafft habe ist dies doch sehr anstrengend und Verwackelungsanfällig,hierbei entsteht dann leicht Bewegungsunschärfe. Ich würde also eher zu folgender Methode raten: Man bewegt das Objekt in den oberen rechten Bildrand und dann etwas darüber hinaus.Nun lässt man den Dobson los und man lässt den Planeten alleine durch das Bildschirmfenster wandern. Wenn der Planet am Rand angelangt ist dann muss man ihn wieder zu der Ausgangsposition zurückbringen. Anschließend lässt man den Dobson wieder los und den Planeten wieder wandern. Um so schneller einem das gelingt um so mehr brauchbare Bilder erhält man. Man sollte also den Sportlichen Ergeiz entwickeln den Planeten so schnell wie möglich wieder an den oberen rechten Bildrand zu bekommen, nicht ganz einfach aber auch hier macht Übung den Meister! ;-)

 

4.) Die Nachbearbeitung

Der Faktor, dass der Planet während der Aufnahme ab und zu gänzlich aus dem Bild verschwindet oder Randkontakt hat führt dazu, dass man bei der Nachbearbeitung auch noch einige Arbeit hat denn Giotto mag es überhaupt nicht wenn auf den AVI's nichts zu sehen ist. Ich zerlege alle AVI's in *.BMP Bilderserien. Diese packe ich dann in ein Verzeichnis. Nun empfehle ich den Bildbetrachter "Irfan View" denn das Dingen ist Gold wert und dazu noch Freeware. Ich öffne die erste Datei und schaue mir alle Bilder ( 2000 oder mehr, je nach Aufnahmedauer) manuell an. Man kann mit "Irfan View" auch die AVI's zerlegen indem man auf "Optionen" geht und dann auf "Extrahiere alle Bilder". Nun lösche ich alle Bilder auf denen nichts zu sehen ist raus. Nach meiner Erfahrung ist es auch zwingend notwendig alle Bilder rauszulöschen bei denen der Planet nur halb zu sehen ist (also Randkontakt hat)! Ist diese letzte Hürde genommen kann man die Bilder zusammenaddieren.

Dies alles hört sich kompliziert und nach viel Arbeit an aber dieser Bericht sollte keinesfalls zur Entmutigung dienen. Jeder der mit einem Dobson fotografiert kann tolle Ergebnisse zustande bringen. Es ist sicherlich etwas mehr Aufwand nötig als mit anderen Montierungen. Mit der Zeit kommt aber Routine hinzu und man führt die einzelnen Schritte aus ohne großartig darüber nachzudenken. Auch sei darauf hingewiesen, dass ich hier meine eigenen Erfahrungen aufgeschrieben habe. Mit der Zeit werde ich vielleicht Mittel und Wege finden die Dobsonschubserei zu verfeinern somit werde ich dieses Tutorial dann mit neuen Erkenntnissen auffrischen.

Ich wünsche allen Dobsianern viel Erfolg!